Spiritualität als geistige Haltung und als Grundlage für verantwortliches Handeln


Der Mensch und damit auch sein Gehirn entwickelt sich nicht von allein, sondern ist eingebunden und in seiner Potenzialentfaltung abhängig von dem jeweiligen sozio-kulturellen Kontext, in den er hineinwächst. Dieser Tatsache werden sich Menschen nicht immer und nicht im gleichen Maße bewusst.
Abhängig ist dieser Bewusstwerdungsprozess der eigenen Eingebundenheit in ein größeres, transpersonales Umfeld von den jeweiligen Erfahrungen, die eine Person im Verlauf ihrer Lebensgeschichte macht bzw. zum machen Gelegenheit hat. Verankert werden diese Erfahrungen im präfrontalen Cortex, zutage treten sie als das individuelle Denken, Fühlen und Verhalten bestimmende individuelle Haltungen, innere Einstellungen und Überzeugungen in Bezug auf einzelne Erfahrungsbereiche (Schule, Arbeit, Familie etc.) Auf der Grundlage dieser verschiedenen spezifischen Haltungen kommt es im Leben eines Menschen zur Herausbildung genereller Einstellungen gegenüber dem eigenen Leben und dem Leben anderer Lebewesen. Diese Meta-Haltung ist ebenfalls in der präfrontalen Rinde verankert. Sie äußert sich als generelle Einstellung zum Leben und zur Stellung des eigenen Lebens im Kontext all dessen, was ein Mensch als seine materielle wie geistige „Lebenswelt“ erachtet.
Diese individuell unterschiedlich weit entwickelte geistige Meta-Haltung ist offenbar das, was wir als „Spiritualität“ bezeichnen.
 
Der Vortrag betrachtet die Voraussetzungen für die Herausformung von Spiritualität als geistige Haltung, macht deutlich, dass jeder Mensch bewusst oder ungewusst eine spirituelle Haltung entwickelt und dass es eines Bewusstwerdungsprozesses dieser spirituellen Haltung bedarf, damit Spiritualität in verantwortliches Handeln umgesetzt werden kann.
 
Kurzvita:
 
Hüther, Gerald, Dr. rer. nat. Dr. med. habil. ist Professor für Neurobiologie und leitet die Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen und des Instituts für Public Health der Universität Mannheim/Heidelberg. Wissenschaftlich befasst er sich mit dem Einfluss früher Erfahrungen auf die Hirnentwicklung, mit den Auswirkungen von Angst und Stress und der Bedeutung emotionaler Reaktionen. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und populärwissenschaftlicher Darstellungen (Sachbuchautor).
 

Referent: Prof. Dr. Gerald Hüther